Oz: Verkauf mit Hot Chocolate

Es ist Sonntagnachmittag und das Wochenende ist fast wieder vorbei. Meine Arbeit als Milchmädchen habe ich wieder gekündigt und bin schon ein wenig stolz, daß ich es überhaupt so lange ausgehalten habe. Von den 8 Leuten, die mit mir angefangen haben, war am Ende nur noch ein Italiener übrig, der sich noch nicht sicher war, ob er am Montag noch zur Arbeit geht.

Alles in allem war es schon eine doofe Arbeit, denn die meisten Leute werden nur ungerne in ihrem Alltag von irgendwelchen Hausierern gestört. Trotz allem habe ich gerne mit den Leuten geredet, die tatsächlich mal nett zu mir waren, und der Teil der Arbeit wird mir schon etwas fehlen.

So hat mir letzte Woche in Weribee beispielsweise eine unglaublich nette Familie eine heiße Schokolade gemacht. Den ganzen Tag ging ich von Haus zu Haus, keiner war interessiert an einer kostenlosen Milchlieferung, und die, die interessiert waren, waren etwas skeptisch, weil sie noch nie von Aussie Farmers gehört hatten und sich an der Tür auf nichts einlassen wollten. Verständlich. Irgendwann, nach genug Absagen, will man eigentlich an keine weitere Tür klopfen. Aber ich habe mich überwunden und landete bei einem netten Herrn, der die Idee zwar gut fand, aber ohne seine Frau nichts entscheiden konnte. “Fair enough,” habe ich gesagt, “dann komm ich eben später wieder.” Seine Kinder hatten sich schon an der Türe vor ihren Vati gestellt, zumindest zwei davon, ordentlich aufgereit und neugierig, haben sich höflich verabschiedet.

Dies war dann am Abend die letzte Tür, zu der ich zurückgegangen bin, und als die Frau aufgemacht hat, meinte sie gleich, “Komm herein, Du mußt mir das alles erzählen, während ich das Pausenbrot für die Kinder vorbereite. Willst Du einen Tee? Kaffee? Es ist ja ordentlich kalt draußen.”
Den Tee hab ich abgelehnt, schließlich waren es nur noch 10 Minuten bis zum Feierabend, aber ich habe mich lange bedankt und gemeint, “Sie sind die Ersten, die mir etwas angeboten haben.”
Also, nach kurzem Erzählen und kurzer “sticky nose”-Visite eines ihrer Kinder (der war sehr niedlich, der Kleine, mit seinem Arm voller Kuscheltiere), meinte der Mann: “Du läufst schon den ganzen Tag herum, und keiner hat Dir etwas angeboten? Nicht zu fassen. Bist Du sicher, daß Du nichts magst? Eine heiße Schokolade vielleicht?”
“Also gut,” sag ich, “wenn Sie drauf bestehen…”
Also wird mir eine heiße Schokolade gemacht, während ich die Bestellung aufnehme, und dann halte ich ein nettes Schwätzchen über Weribee und meine Reise und daß ich nicht aus Kanada bin, wie es gemeinhin aufgrund meines Akzents angenommen wird, sondern aus good old Germany.
Die Frau will wissen, wo denn der Käse hergestellt wird, und als ich Warnambool sage, lacht sie. Ihr Mann erklärt, daß sie aus Warnambool kommt, und ich meine, “Ich dachte Sie lachen, weil ich keine Ahnung habe, wie man Warnambool richtig sagt.” Der Mann will seiner Frau stets einreden, doch Warnambool zu unterstützen, aber sie weigert sich, weil sie lieber ihren Käse von Kraft kauft und bestellt was vom Fleisch.
Meine heiße Schokolade wird mir serviert, sehr lecker, und plötzlich klingelt mein Handy, und mein Chef will wissen, wo ich mich gerade befinde, damit er mich abholen kann.
“Ich bin grad in einem Haus,” sag ich. Dann schaue ich meine halbvolle heiße Schokolade an und ergänze, “Ich brauche noch etwa 10 Minuten.”
Als ich die heiße Schokolade ausgetrunken und die Bestellung aufgenommen habe, geleitet mich der Herr des Hauses noch nach draußen und ich bedanke mich vielmals für die Gastfreundschaft.

So war das, in Weribee. Es gibt eben auch nette Leute auf der Welt.

2 Replies to “Oz: Verkauf mit Hot Chocolate”

  1. Awww, das war aber wirklich nett von denen.
    Aber wirklich erstaunlich, dass du so lange durchgehalten hast, gratuliere. Jetzt wünsch ich dir aber, dass du einen besseren Job findest, der es leichter macht, länger zu bleiben.

    Hatte deine Schwester eigentlich inzwischen Glück?

  2. Meine Schwester sucht noch, aber sie will auch kein Milkman werden oder so, sie hat da höhere Ansprüche. ;) Aber ihre Jobsuche wird jetzt dadurch behindert, daß ihr Handy gestern den Geist aufgegeben hat…. Eieiei…

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