Music Monday #46: The Runaways

Hallo, liebe Musikfans! Heute möchte ich euch am Music Monday etwas über die Runaways erzählen. Ihr wisst schon, die “Girlband” aus den 70ern! Ich muss sagen, den meisten Leuten in meinem Bekanntenkreis sind die Runaways kein Begriff, dabei haben sie doch einen festen Platz in der Musikgeschichte. Aber mit der Band ging es schon 1979 zu Ende, da war mein Bekanntenkreis noch zu jung bzw. nicht existent.

Buchcover von Neon Angel
Cherie Currie: 2. v.r.

Aber egal, der Reihe nach. Vor ein paar Wochen habe ich endlich Neon Angel von Cherie Currie gelesen. Ich habe mir vorgestellt, sie schreibt halt ein bisschen, wie das damals war in der Band und mit dem großen Erfolg in Japan und wie die Bandmitglieder so ausgekommen sind – oder nicht ausgekommen sind. Aber das Buch ist so krass, dass man danach fast eine posttraumatische Belastungsstörung hat. Cherie war ein relativ normaler Teenager in Los Angeles, ein großer Fan von David Bowie, lebte etwas im Schatten ihrer Zwillingsschwester und war dabei, die Scheidung ihrer Eltern zu verkraften, als Kim Fowley und Joan Jett sie in einem Club für Teenager ansprachen, ob sie singen könne. Man bekommt nicht den Eindruck, dass sie sich vorher je mit dem Singen auseinandergesetzt hatte, aber sie hat dann geübt, hat vorgesungen und wurde dann genommen, nachdem alle sich lange darüber lustig gemacht hatten, was sie für ein doofes Lied zum Vorsingen ausgewählt hatte. Sie haben viel geübt und dann schickte Kim Fowley sie auf Tour, gab ihnen hier und da mal ein paar Dollar und gut war’s. Der Erfolg stellte sich recht schnell ein.

Kim Fowley wird in der englischen Wikipedia in einem Zitat “one of the most colorful characters in the annals of rock & roll” genannt, was ich ziemlich daneben finde, zumindest wenn das stimmt, was Cherie Currie, Jackie Fox und Kari Krome über ihn erzählt haben. “Colorful” heißt nämlich aufregend und interessant, aber dieser Typ hat die Mädchen – 15 oder 16 waren die damals erst – von früh bis spät beschimpft und niedergemacht, hat sie vermutlich um jede Menge Geld betrogen, hat ihren Eltern gesagt, “Keine Sorge, unterwegs nehmen wir immer einen Lehrer und Aufpasser mit, damit die Mädels umsorgt sind und in der Schule nicht zurückfallen” und in Wirklichkeit hat er sie auf verschiedene und widerwärtige Arten missbraucht und ansonsten waren die meisten von ihnen – wenn man Cherie Currie glauben darf – von früh bis spät mit Drogen vollgedröhnt. Kari Krome hat zu Beginn die meisten Lieder geschrieben, die Runaways waren wohl auch ihre Idee, aber sie ist dann irgendwann gegangen, als Kim Fowley sich angeblich wiederholt vor ihr entblößt hatte. Auch Micki Steele, die letzendlich riesigen Erfolg mit den Bangles hatte, war kurzzeitig mal in den Runaways, verließ sie dann aber auch (oder wurde gegangen), weil Kim Fowley zu aufdringlich wurde und sie nichts davon wissen wollte (nachzulesen in We Got the Neutron Bomb: The Untold Story of L.A. Punk).

The Runaways album cover
Von links: Cherie Currie, Joan Jett, Sandy West, Lita Ford, Jackie Fox

Nun ist die Cheri also in den Runaways und es ist relativ klar, wie ungesund das da ist mit den Drogen und dem Leben auf Tour und den ständigen Schmähungen von ihrem Manager. Lita Ford konnte Cherie offenbar auch nicht ausstehen und war immer gemein zu ihr – wohl auch, weil alle Magazine nur Cheri auf ihre Cover gemacht haben, weil sie auf der Bühne immer ein Korsett getragen hat – und Jackie Fox ging allen auf den Keks, weil sie keine Drogen nehmen wollte und immer Bücher gelesen hat – wie uncool! (Sie hat übrigens später mit Obama an der Harvard-Universität Rechtswissenschaften studiert.) Cheris familiären Verhältnisse waren letztendlich auch ziemlich zerrüttet, aber das wäre noch mal eine Geschichte für sich. Aber als sie dann daran gedacht hat, aus den Runaways auszusteigen, haben ihr alle suggeriert, wenn sie das macht, macht sie ihnen allen die Träume kaputt und das kann sie sich ja wohl nicht trauen!

Der einzige Lichtblick in der Geschichte der Runaways scheint letztendlich ihre Tournee in Japan gewesen zu sein, denn da waren sie unglaublich berühmt und die Fans waren auch relativ normal und freundlich (und nicht wie die Engländer, die sie bespuckt und Sachen nach ihnen geworfen haben) und haben sie wie Königinnen behandelt. Und deswegen präsentiere ich euch heute auch ein Lied von den Runaways aus Japan:

The Runaways – I Love Playing With FIre (YouTube)
(und ein alternativer Link)

Das berühmteste Lied der Runaways ist natürlich Cherry Bomb, das für Cherie Currie geschrieben wurde. Das könnt ihr euch auch mal anhören.

Zum Abschluss sei noch erwähnt, dass Cherie nach den Runaways keinen weiteren nennenswerten Erfolg in der Musikgeschichte mehr verzeichnen konnte. Ansonsten ist sie entführt und fast ermordet worden (ich denke mir das nicht aus), hat ihre Drogensucht wohl relativ knapp überlebt, hat dann anderen Drogensüchtigen beim Entzug geholfen und macht jetzt Kunst mit Kettensägen. Joan Jett ist Joan Jett, die kennt ihr ja spätestens seit letzter Woche, Lita Ford hat musikalisch noch einiges erreicht, Jackie Fox hat noch studiert und Sandy West hat offenbar ihr restliches Leben lang erfolglos versucht, an den musikalischen Erfolg, den sie als 15-jähriges Mädchen hatte, anzuknüpfen, bis sie 2006 im Alter von 47 Jahren an Krebs gestorben ist. Sie bleibt eine tragische Figur in alledem. Möge sie in Frieden ruhen.

 

Weiterführende Links:

 

 

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